Fotos: Marcus Hartelt

Im Rahmen der BERLIN FASHION WEEK präsentierte rebekka ruétz ihre neue Kollektion für Herbst/Winter Kollektion 2026 mit dem Titel „LILITH“.

Zu den prominenten Gästen der heutigen Runway-Show gehörten Ines Anioli, Anais, Tara-Louise Wittwer, Marie von den Benke, Andrea den Guo, Laura Berlin, Stephanie Stremler, Jikal Hassan Leonora Zoë Voss, Riccarda Greco, Oumi Janta und viele weitere. Laura Schmitt und Pia Riegel waren auf dem Catwalk zu sehen.

LILITH
Mit LILITH übersetzt rebekka ruétz einen Mythos in die Gegenwart. Die Kollektion begreift Lilith nicht als bloße Provokation oder Rebellion, sondern als Figur der Ganzheit. Auch das Dämonisierte, das Abgelehnte, das als bedrohlich Markierte gehört zu ihr. Lilith steht für eine Weiblichkeit, die ihre Widersprüche nicht auflöst, sondern trägt: Angst neben Würde, Verletzlichkeit neben Stärke, Licht neben Schatten. Die Dämonisierung Liliths ist kein Mythos allein, sondern Ausdruck einer Ordnung, die weibliche Autonomie seit jeher als Bedrohung markiert. Rebellion wird hier nicht negiert, sondern als Reaktion auf Zuschreibung verstanden und integriert.

Die Entwürfe entstehen aus dem Prozess heraus. Silhouetten werden nicht vorab festgelegt, sondern entwickeln sich im Dialog mit dem Körper. Drapierungen werden verschoben, Schnitte neu geformt, Materialien getestet, bis sich eine Haltung zeigt. Jeder Look wird weniger ausgeführt als entdeckt. Lilith zeigt sich nicht auf dem Papier, sondern im Werden.

Ein zentrales Element der Kollektion sind Applikationen aus echtem Moos. Als lebendiges Material steht es für Zeit, Verfall und Erneuerung zugleich. Es reagiert auf Bewegung, verändert sich, bröselt, hinterlässt Spuren. Das Kleid wird nicht als abgeschlossenes Objekt verstanden, sondern als Körper, der Geschichte trägt und sich ihr nicht entzieht. Perfektion wird bewusst unterlaufen zugunsten von Wandel, Präsenz und Vergänglichkeit.

Die Farbwelt ist präzise und vielschichtig. Rabenschwarz bildet das Fundament. Rottöne erscheinen in Abstufungen: dunkles Blutrot als Ursprung, ein klares, leuchtendes Rot als Impuls und Präsenz, ein tiefes Purpurrot mit violettem Einschlag als Verweis auf das Mythische. Weiß variiert zwischen Kalkweiss, schlangenartigen Strukturen und schmutzigem Beige. Die Palette bewegt sich zwischen Erdung und Schimmer, zwischen Körperlichkeit und Transzendenz.

Materialien tragen Bedeutung. Upcycling-, Recycling- und Deadstockstoffe bilden die Basis der Kollektion. Ergänzt werden sie durch handverlesene nachhaltige Spitze, Denim aus Biobaumwolle und traditionell gefertigten Tiroler Loden. Zertifizierte Materialien wie Tencel kommen bei Prints zum Einsatz. Gegensätze von rau und glatt, opak und transparent prägen Oberfläche und Aussage.

Die Silhouetten bewegen sich in einer minimalistischen Avantgarde. Skulpturale Korsagen treffen auf fließende Drapierungen, feste Materialien auf Bewegung. Volumen entsteht durch Konstruktion und Auflösung zugleich. Durch organische Applikationen gewinnen die Looks eine neue Dreidimensionalität und hinterlassen sichtbare Spuren. Der Körper wird nicht verkleidet, sondern begleitet.

LILITH ist weniger eine Kollektion als eine Haltung. Sie lädt dazu ein, Komplexität nicht zu glätten, sondern sichtbar zu machen. Kleidung wird zur Sprache für das, was oft verdrängt oder dämonisiert wird, und genau dadurch gegenwärtig.

Hair & Make Up - die Vision
Die visuelle Tiefe der Kollektion wird durch die Arbeit von Sam Hill, Inhaberin und Make-up Artist der Inclover Agency, erweitert. Ihre Hair- und Make-up-Arbeit greift zentrale Motive von LILITH auf und übersetzt sie in eine eigenständige visuelle Ebene, die die Kollektion verdichtet und begleitet. In aufwendiger Handarbeit entstanden Hair-Accessoires, Masken und geflochtene Kappen aus veganem Haar, gefertigt in über 400 Arbeitsstunden. Die Elemente agieren mal wie eine zweite Haut, mal wie eine auferlegte Hülle und bewegen sich zwischen Unschuld und Stärke, Verletzlichkeit und dem Dämonischen, das der Figur Lilith historisch von außen zugeschrieben wurde. Ein wiederkehrendes Thema ist das Sichtbarmachen innerer Strukturen. Angelehnt an abstrakte Anatomien kehren Motive scheinbar nach außen und verweisen auf Facetten weiblicher Identität, die oft verborgen bleiben. Symboliken wie Schlange, Moos und organische Texturen werden nicht illustrativ eingesetzt, sondern bewusst abstrahiert, um ihre Wirkung körperlich erfahrbar zu machen. Das Make-up und Hairstyling oszilliert zwischen rauen, wilden Oberflächen und klaren, grafischen Linien. Ergänzt wird das Konzept durch eigens entwickelte, skulpturale Nail-Designs, die Materialien, Strukturen und Motive der Kollektion aufnehmen und die visuelle Erzählung bis in die Details fortführen.
 

Organoid  X rebekka ruétz:
In Zusammenarbeit mit Organoid arbeitet rebekka ruétz erstmals mit natürlichen Oberflächen aus echtem Moos im Kontext von Mode. Das Material, sonst im Interior Design verortet, wird in LILITH auf Kleidungsstücke appliziert und bildet zugleich das Fundament der Installation zur Show. Verwendet werden Moosoberflächen in Blutrot, rauchigem Schwarz und schmutzigem Weiß. Als lebendiges Material reagiert Moos auf Bewegung, Zeit und Berührung. Es verändert sich, bröselt, hinterlässt Spuren. In der Kollektion steht es für Vergänglichkeit und Erneuerung zugleich und unterläuft bewusst die Idee des perfekten, abgeschlossenen Kleidungsstücks. Organoid brachte sein Material-Know-how in Auswahl und Verarbeitung ein und ermöglichte die Übertragung des Materials vom Raum auf den Körper.

Kufsteinerland X rebekka ruétz:
Für das Kufsteinerland entwarf rebekka ruétz einen exklusiven Print, der in verschiedenen Kleidungsstücken der Kollektion LILITH umgesetzt wird. Ausgangspunkt ist die Landschaft rund um das Kaisergebirge, geprägt von Bergen, Seen und einer Verbindung aus Natur, Kultur und urbanem Leben. Der Print dient nicht als Abbildung, sondern als abstrahierte Erinnerung an Herkunft, Erdung und kulturelles Erbe. In Verbindung mit dem Mythos Lilith steht das Kufsteinerland für Widerstandskraft, Verwurzelung und eine Weiblichkeit, die sich aus Landschaft, Geschichte und Körperlichkeit speist. Die Zusammenarbeit verbindet regionale Identität mit zeitgenössischem Design.

Orthomol Beauty X rebekka ruétz:
In der Zusammenarbeit mit Orthomol Dermadore entwickelte rebekka ruétz einen exklusiven Print auf Basis der Calla, interpretiert in unterschiedlichen Purpur- und Violetttönen. Die Calla fungiert als Symbol für Schönheit im Wandel und für Prozesse innerer Transformation. Der Print greift zentrale Themen der Kollektion LILITH auf. Schönheit wird nicht als statischer Zustand 
verstanden, sondern als etwas, das sich über Zeit verändert und von innen nach außen wirkt. Die Kooperation übersetzt diese Haltung in eine textile Bildsprache, in der Körper, Vergänglichkeit und Erneuerung  miteinander verbunden sind.

JW Marriott Berlin X rebekka ruétz:
Das JW Marriott Berlin ist neuer Partner von rebekka ruétz und fungiert während der Berlin Fashion Week als zentraler Arbeits- und Rückzugsort. Hier finden Castings, letzte Vorbereitungen und interne Abstimmungen statt. Im Kontext von LILITH steht das Hotel für den Raum zwischen Öffentlichkeit und Rückzug. Es ist ein Ort der Sammlung, der Konzentration und der Vorbereitung, bevor die Kollektion in den öffentlichen Raum tritt. Die Zusammenarbeit bildet das organisatorische Fundament der Show und ermöglicht einen konzentrierten, geschützten Arbeitsprozess. /PM/