
Fotos: Bozena Behrens
Mittelalter-Handwerk trifft in Halle 11.2 auf junge Food-Startups aus Polen und Tschechien. Aus regionalen Zutaten entwickeln sie frische Ideen.
Elisabeth, genannt „Ela“, trägt eine mittelalterliche Haube und strickt mit einer Nadel aus Knochen einen kleinen Korb. Sie kommt von der Insel Wolin in Westpommern. In einem Slawen- und Wikingerdorf pflegt sie das alte Handwerk. Sie zeigt, wie früher mit Schafwolle gesponnen und gewebt wurde.
An den meisten Stände der polnischen Aussteller geht es jedoch ums Essen und Trinken. „Polen schmeckt“ lautet schließlich der Slogan. Davon zeugt bereits der Duft nach frischem Bigos, einem Eintopf aus gedünstetem Sauerkraut. Piroggen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Am Stand der Woiwodschaft Großpolen (Wielkopolska) gibt es die beliebten Teigtaschen nicht nur klassisch mit Fleisch, sondern auch mit Feta und Spinat oder süß mit weißer Schokolade und Grieß oder Blaubeeren und Quark.
Natalia Jaszczuk hat mit ihrem Unternehmen Pieczarkarnia Dawidy eine vegane Pilzpaste entwickelt, für die sie in Polen eine Auszeichnung für Gründerinnen bekommen hat. Jetzt stellt sie sich zum ersten Mal außerhalb ihres Landes mit ihren Produkten vor und hat neben ihrem Brotaufstrich auch knackige Pilz-Chips mitgebracht.
Mit einem ertragreichen Walnussbaum begann die Erfolgsgeschichte von Dobry Orzech, zu deutsch Gute Walnuss. Gründer Maciej Tomczak aus Breslau (Wroclaw) fragte sich, wie er die Nüsse sinnvoll verwenden und haltbar machen kann. Das Ergebnis war sein erstes Nussmus. Inzwischen greift er nicht nur auf heimische Nüsse zurück, sondern bezieht zum Beispiel auch Pistazien aus Kalifornien. Sein Mus gibt es pur, aber auch in ungewöhnlichen Geschmackrichtungen wie Himbeere oder Zimt. In Milch wird daraus ein leckeres Heißgetränk, es schmeckt aber auch im Müsli oder auf dem Brot.
Gesunde Snacks aus lokalen Zutaten
Gepuffte Trauben, Ananas und Rote Beete, verpackt in bunten Tüten, verkauft das junge Unternehmen Puffins. Es kommt aus Ostrzeszów und nutzt einen Vakuumtrockner, um Obst, Gemüse und Käse zu verarbeiten. Der Vorteil: Geschmack und Nährstoffe bleiben erhalten. Als Pulver wird daraus eine Zutat für Smoothies oder Pasta.
Knackig weiter geht es mit einer Innovation aus Tschechien. Vladyslava Pasishnyk zog mit Beginn des Krieges in ihrer Heimat von der Ukraine nach Prag. Was ihr gleich auffiel: Die Tschechen trinken gerne Bier und snacken dazu – meist Kartoffelchips. Da muss es doch noch mehr geben, dachte sich die gesundheitsbewusste junge Frau. In ihrer Küche experimentierte sie mit selbstgebackenem und dann getrocknetem Roggenbrot und Gewürzen wie Knoblauch. Inzwischen gibt es die Brotchips von Pražské Topinky in 14 Geschmacksrichtungen. Das Food-Startup ist in diesem Jahr zum zweiten Mal auf der Grünen Woche und zufrieden: Seine Chips-Alternative geht weg wie geschnitten Brot. /PM/Text: Judith Jenner/